Nymphalis - Trauermantel und Großer Fuchs

 

Nur einen Moment ließ sich der Trauermantel, Nymphalis antiopa [RL D V; RL M-V 3] in der Krautschicht am Uferwald des Kölpinsees nieder. Ich konnte von dem schönen großen Falter, den ich seit Jahren zu fotografieren suche, nur einen Zipfel festhalten, dann entschwand er zurück in die Baumwipfel - das zermürbende Los eines Schmetterlingsfotografen. Dennoch freue ich mich den großen Falter in seinem schnellen Flug an der Uferwaldkante erlebt zu haben.

Der Trauermantel ist ein Falter der Weichholzwälder insbesondere der Flussauen und Seeufer, in denen sich seine Raupen an verschiedenen Weidenarten (vor allem Salweiden) (Salix spec., S. caprea), Aspen (Populus tremula), Hängebirken (Betula pendula) und Ulmen (Ulmus spec.) entwickeln. Von hieraus wandern die Falter weite Strecken in das Land hinein. Sie sind mit Ausnahme des Winters ganzjährig zu finden. Die Art weist große Populationsschwankungen auf, die z. T. durch starke Parasitierung der gesellig fressenden Raupen hervorgerufen werden. Wie viele Waldfalter, sucht der Trauermantel keine Blüten auf, sondern saugt gerne an Baumwunden und Fallobst.

In M-V hatte ich bislang nur wenige Sichtungen der Art in Südmecklenburg (Hagenow) und im Bereich der Mecklenburger Seenplatte. Der direkte Küstenbereich scheint für den Trauermantel eine klimatische Grenze darzustellen. Die Art bringt bei uns zwei Generationen hervor und überwintert als Falter.

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An einem der letzten Augusttage 2013 hatten meine Eltern das Glück einen Trauermantel im Thüringer Wald bei Oberhof zu beobachten. In einem Fichtenbestand kam der Falter herab, um an einer feuchten Stelle auf dem Weg zu saugen. Die einzigen Laubgehölze in diesem Habitat waren einige Birken an den Wegrändern.

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Auf der morgendlichen Suche nach Großen Eisvögeln im Zeitzer Forst bemerkte ich, wie sich ein rotbrauner Falter auf dem Weg niederließ, um an einer feuchten Stelle zu saugen. Bei näherem Hinsehen dann die Überraschung: es handelte sich um einen Großen Fuchs, N. polychloros [RL D V; RL M-V 3]. Der scheue Falter ließ mich leider nicht näher herankommen, sondern verschwand bald wieder zwischen den Bäumen.

Für die Raupenentwicklung nutzt der Große Fuchs bevorzugt Weichhölzer, wie Salweide (Salix caprea) und Aspen (Populus tremula). Es werden jedoch auch Apfel- (Malus domestica) und Birnenbäume (Pyrus communis) besiedelt. Das Mischwaldhabitat des Zeitzer Forsts bietet der selten gewordenen Art noch einen hinreichenden Lebensraum. Mit Ausnahme des Winters und des Junis lassen sich die Imagines ganzjährig beobachten.

Wie der Trauermantel ist N. polychloros i. d. R. nicht beim Blütenbesuch anzutreffen (Ausnahme: Weidenkätzchen), sondern bevorzugt die Aufnahme von Baumsaft aus Wunden.

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An einem Tag vergeblicher Ideen, bemerkte ich zur Mittagsstunde auf dem Sanitzer Waldweg einen Fuchs, anders im Fluge als der Kleine Fuchs. Als er sich niedersetzte eine kleine Sensation: ein Großer Fuchs - im Sanitzer Forst!

Literatur:
Bellmann, Heiko: Der neue Kosmos Schmetterlingsführer - Schmetterlinge, Raupen und Futterpflanzen.2. Aufl. Stuttgart: Kosmos, 2009
Lohmann, Michael: Schmetterlinge - Bestimmen auf einen Blick. 1. Aufl. München: BLV, 1993
Koch, Manfred: Wir bestimmen Schmetterlinge. 2. Aufl. Leipzig, Radebeul: Neumann Verlag, 1988
Willner, Wolfgang: Die Schmetterlinge Deutschlands in ihren Lebensräumen. 1. Aufl. Wiebelsheim: Quelle & Meyer, 2012