Oryctes - Nashornkäfer

 

Ich erinnere mich, dass in meiner Lehrzeit mein Meister einmal mit einem großen Käfer in der Hand zu uns staunenden Lehrlingen kam. Es handelte sich um den Nashornkäfer Oryctes nasicornis. Die Käfer hatten sich in einem Sägespanhaufen bei Ivendorf entwickelt. Zum Schutz der Käfer hielt er den genauen Fundort geheim. Neben Hirschkäfer und großem Eichenbock ist der Nashornkäfer vor allem wegen des massigen Körpers der dritte Gigant unserer Coleopteren-Fauna.

Die Art ist grundsätzlich als xylobiont einzustufen. Nach Mitteleuropa ist sie als Kulturfolger mit der Lohgerberei gekommen. Die Larven entwickelten sich in den Haufen der zum Gerben benötigten Eichenrinde. Mit dem Niedergang dieses Wirtschaftszweiges verschwand die Art nahezu. Erst in den letzten drei  Jahrzehten gelang es dem Nashornkäfer sich mit Sägespan- und Komposthaufen neue Entwicklungsstätten zu erschließen. Hierin benötigen die Larven für die Entwicklung bis zu fünf Jahren. Eine Tatsache die verdeutlicht wie wichtig ungestörte Substrate für den Erhalt der Art sind.

Nach nunmehr dreißig Jahren fand ich in meinem Urlaub in Weimar wieder ein Exemplar von O. nasicornis. Der Käfer hatte sich in einer Augustnacht in der Seifengasse verflogen. Wo ich ihn aufnahm, fotografierte und in den nahen Ilmpark umsetzte.

Literatur:
Willner, Wolfgang: Taschenlexikon der Käfer Mitteleuropas. 1. Aufl. Wiebelsheim: Quelle und Meyer, 2013
Harde, Wilhelm; Severa, Frantisek: Der Kosmos Käferführer - Die mitteleuropäischen Käfer.3. Aufl. Stuttgart: Kosmos, 1988
Trautner, Jürgen et al.: Käfer - beobachten - bestimmen. 1. Aufl. Melsungen: Neumann-Neudamm, 1989
Klausnitzer et al.: Die Bockkäfer Mitteleuropas. Cerambycidae. Die Neue Brehm-Bücherei (Band 499), Wittenberg Lutherstadt 1978
Edmund Reitter: Fauna Germanica - Die Käfer des Deutschen Reiches. 5 Bände, Stuttgart K. G. Lutz 1908 - 1916, Digitale Bibliothek Band 134, Directmedia Publishing GmbH, Berlin 2006