Apatura - Schillerfalter

Wer sich im Frühsommer Zeit nimmt und am Vormittag einen Waldspaziergang auf einem lichten, durch Weichhölzer gesäumten Weg unternimmt, hat vielleicht das Glück einem Vertreter unserer schönsten Tagfaltergattung zu begegnen.

Die Schillerfalter fallen jedem Beobachter durch ihre Größe und die je nach Lichteinfall königsblau irisierende Flügeloberfläche sofort ins Auge.

Durch die besondere Lebensweise bleiben die Schillerfalter den Meisten verborgen. Sie verweilen für das menschliche Auge unsichtbar viele Stunden des Tages in den Baumwipfeln. Nur an Vormittagen kommen die Falter auf Waldwege herab, um mit ihrem grünen, an eine Erbsenranke erinnernden Rüssel an feuchten Stellen, Exkrementen oder Aas zu saugen. Hierdurch stillen sie ihren Bedarf an Mineralsalzen. 

Auf den Abbildungen links unten kann man den Großen Schillerfalter, Apatura iris [RL D V; RL MV 3] beim Rüsseln an Tierkot beobachten. Blüten werden i.d.R. nicht besucht. Die Flugzeit erstreckt sich von Mitte Juni bis Mitte August. Wer in dieser Zeit die Kronen freistehender Laubbäume sonniger Waldwege absucht, kann vielleicht die ansitzenden Männchen entdecken, die auf in das Revier einfliegende Weibchen warten. Häufig werden von diesem Ansitz auch Falter anderer Arten angeflogen. Inzwischen findet sich der Große Schillerfalter mit dem Status 3 = "gefährdet" auf der Roten Liste M-V. Die Art überwintert im Raupenstadium. Hierzu wird ein Hibernarium aus einem zusammengesponnen Blatt erzeugt.

Der Kleine Schillerfalter, Apatura ilia [RL D V; RL M-V 1] kann von seinem größeren Verwandten gut anhand des ausgeprägten Augenflecks auf den Vorderflügeln unterschieden werden. Das einzige Exemplar, das ich bislang in M-V beobachten konnte fand ich im Sommer 2011 am Ufer der Müritz bei Klink, wo es in einer Trauerweide Quartier bezogen hatte. Im Gegensatz zu seinem größeren Verwandten gilt der Kleine Schillerfalter in M-V als "vom Aussterben bedroht" (Rote Liste 1). Auch A. ilia überwintert als Raupe. Die Art erzeugt jedoch kein Hibernarium sondern verharrt angeschmiegt an einem Zweig. Der Kleine Schillerfalter fliegt in einer Generation von Ende Mai bis Juli.

Das Fortbestehen der Schillerfalter ist nur in Wäldern und Uferzonen mit einem hinreichenden Angebot an Weichhölzern als Raupenfutterpflanzen, insbesondere Sal-, Grau und Silberweiden (Salix caprea, S. cinerea, S. alba) für A. iris sowie Zitter- und Silberpappeln (Populus tremula, P. alba) für A. ilia, gesichert. Diese und andere Pionierbaumarten werden forstlich jedoch als störend sowie wirtschaftlich wertlos angesehen und daher bei Durchforstungsarbeiten häufig entfernt. Dass gerade an Weiden und Zitterpappeln unsere schönsten Tagfalter leben, sollte Grund genug sein sie in einem vertretbaren Umfang zu schonen. 

Meiner Meinung nach sollte über ein Waldrand-streifenprogramm nachgedacht werden, das die Forstwirtschaft zum Erhalt wertvoller Weichholz- und Strauchgesellschaften zwingt. Darüber hinaus sollten natürliche Ufergesellschaften vor Tourismus-investitionen geschützt werden. 

Im Winter 2011 sind einer Durchforstungsmaßnahme im Sanitzer Forst zahlreiche Salweiden zum Opfer gefallen. Hinzu kamen weitere Abgänge durch Windbruch plötzlich freigestellter Bäume. Wie die A. iris-Population diese Einschnitte in den Lebensraum verkraftet, wird sich in den kommenden Jahren zeigen.

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Im Sommer 2012 konnte ich wieder ein A. iris- Männchen beobachten, so dass Hoffnung auf eine Stabilisierung besteht. Inzwischen stehe ich im Dialog mit dem Revierförster für den Erhalt der weichholzgesäumten Wege.

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Im Juli 2014 ergab sich im Zeitzer Forst endlich die Gelegenheit Kleine Schillerfalter ausgiebig zu beobachten. Dieses Waldgebiet stellt infolge seiner Weichholzbestände ein einmaliges Refugium für Wald-Schmetterlinge dar und gehört m. E. großflächig unter Naturschutz gestellt. Der Kleine Schillerfalter tritt dort vergesellschaftet mit A. iris auf. An einem Waldsee fand ich schließlich auch die rote Form, A. ilia f. clytie. Hier saugten die Falter bei heißem Sommerwetter am feuchten Uferschlamm.

Literatur:
Settele, Josef et al.: Schmetterlinge - Die Tagfalter Deutschlands. 2. Aufl. Stuttgart: Ulmer, 2009
Bellmann, Heiko: Der neue Kosmos Schmetterlingsführer - Schmetterlinge, Raupen und Futterpflanzen.2. Aufl. Stuttgart: Kosmos, 2009
Söderström, Bo: Svenska fjärilar - En fälthandbok. 1. Aufl. Stockholm: Bonniers, 2006
Tolman, Tom; Lewington, Richard: Schmetterlinge Europas und Nordwestafrikas. 2. Aufl. Stuttgart: Kosmos, 2012